Zwingerhaltung

Nein, jetzt kommt nicht gleich der erhobener Zeigefinger der Euch warnt, wie böse Zwingerhaltung ist.

Wie bei vielen Dingen im Leben sollte man, ehe man über ein Thema redet oder schreibt, erst einmal definieren, was genau man sich unter diesem Thema vorstellt. Für die meisten Menschen ohne eigene Hunde bedeutet dies, dass ein Hund im Zwinger lebt und nur zum Spaziergang, zum Hundesport oder anderen gemeinsamen Unternehmungen herausgelassen wird. Leider gibt es auch Hundebesitzer, die der Meinung sind, dass genau das auch die einzig richtige Hundehaltung ist ….. immerhin hat man das ja schon immer so gemacht. Ihr ahnt es schon: jetzt kommt der erhobene Zeigefinger! Kein Hund dieser Welt sollte ausschließlich in einem Hundezwinger leben müssen. Dabei ist es total egal, wie schön und warm und geschmackvoll dieser Zwinger auch ist. Eigentlich ist es schon verblüffend, dass (fast) jeder Mensch weiß, dass Hunde Rudeltiere sind, aber nur wenige der Zwinger-Menschen auf die Idee kommen, dass genau das gegen eine ausschließliche Zwingerhaltung spricht.

Was geschieht, wenn ein Hund aus dem Familienverband ausgeschlossen wird? In der Natur bedeutet das in der Regel seinen Tod oder zumindest einen sehr harter Überlebenskampf. OK … unsere Hunde müssen sich nicht allein auf Futtersuche machen und sie liegen ja in einem waren, trockenen Raum und das ist nun nicht unbedingt der harte Überlebenskampf, wie er in der Natur vorkommt. Nachgewiesen ist allerdings, dass Hunden die Nähe zu ihrer Familie tausendmal mehr wert ist als ein voller Bauch. Es gibt (sicherlich umstrittene) Experimente mit anderen Säugetieren, die in Familienverbänden zusammen leben. Sehr junge Tiere hatten die Wahl zwischen 2 Räumen: im Raum 1 befand sich eine Nahrungsquelle aus kaltem Metall und ansonsten keinerlei weitere Kontaktmöglichkeiten. Im Raum 2 befand sich eine Nachbildung eines Artgenossen mit Fell. In der Mehrzahl der Testläufe musste man abbrechen, weil die Tiere verhungert wären. Sie zogen den Körperkontakt zur Fell-Atrappe der kalten Nahrungsquelle vor.

Warum nun denken trotzdem so viele Menschen, dass eine ausschließliche Zwingerhaltung für ihre Hunde nichts tragisches ist? Ihre Hunde gehen „freiwillig“ in den Zwinger, verhalten sich darin ruhig und unternehmen keine Ausbruchsversuche. Wie verhalten sich Menschen, die in Einzelhaft eine Strafe absitzen (es ist eigentlich schon nachdenkenswert, warum Einzelhaft als Strafe eingesetzt wird)? Der Großteil dieser Menschen wird sich still in sein Schicksal fügen, genau so, wie es auch Hunde tun. Aber was macht das Leben unter diesen Bedingungen mit den betroffenen Menschen oder Hunden? Es gibt bei Hunden genügend Beispiele, dass sie entweder aggressiv oder extrem ängstlich werden. Ein Hund, der nur im Zwinger seinen Alltag verbringt, erlebt jeden Tag aufs neue eine Bestrafung, die er nicht einordnen kann. Denn ein Ausschluss aus dem Familienverband ist eine Bestrafung, ganz gleich, wie viele Argumente Ihnen einfallen, die für eine Zwingerhaltung sprechen.

Nun habe ich zu Beginn dieser Zeilen von der Definition von Begriffen geschrieben. Es gibt natürlich nicht nur die „ausschließliche Zwingerhaltung“. Wenn berufstätige Menschen sich für die Adoption eines Hundes in ihre Familie entscheiden, dann ist von vornherein klar, dass der Hund über mehrere Stunden ohne seine Familien verbringen muss. Das ist prinzipiell kein Problem, denn auch in einem Wolfs- oder Wildhunderudel, ist die Familie nicht immer komplett. Alttiere gehen zum Beispiel auf die Jagd oder sehen im Revier nach dem Rechten. Wenn ein Hund nun die Abwesenheit seiner Familie in einem Zwinger verbringt, hat das sogar noch viele Vorteile. Der Hund ist an der frischen Luft, Sonne auf seinem Fell ist gut für die Gesundheit, er hat Ablenkung durch Geräusche und Düfte, die er wahrnehmen kann. Und bei bestimmten Hundetypen muss man sich in der Zeit der Abwesenheit keine Sorgen um seine Wohnungseinrichtung machen. Kommt die Familie dann aber nach Hause, sollte der erste Weg zum Hund in den Zwinger sein, um ihn mit in den gemeinsamen Wohnbereich zu holen.

Ist es das, was Sie unter Zwingerhaltung verstehen, dann ist das aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Sie sehen also, erst sollte man über genaue Definitionen reden und erst dann PRO oder KONTRA sein